Seit gut einer Woche sind wir nun in Uganda angekommen und haben uns bei „We care for them“ eingelebt und einen ersten Eindruck erhalten. Wir wollen euch im folgenden Artikel einen Einblick in das Leben vor Ort ermöglichen und da der Artikel recht lang wurde, haben wir ihn nach verschiedenen Kategorien untergliedert.
Tagesablauf der Kinder und Jugendlichen
Wir müssen damit anfangen, dass wir und unsere Kinder es extrem gut haben in Deutschland. Denn die Tage beginnen hier in Uganda unglaublich früh und enden in Anbetracht des Aufstehens recht spät und sind komplett durchgetaktet.
Die Tage sind vor allem für die Kinder sehr lang. Wenn Schule ist, stehen sie um 5 Uhr morgens auf, da die Wege zu den Schulen teilweise sehr weit sind. Vor dem Frühstück putzen und räumen die Kinder oft auf. Täglich werden bspw. die Fliesen im Hof geschrubbt, weil dies gegen die Ameisen eine wichtige Vorsichtsmaßnahme ist. Einige Kinder sind auch im Internat untergebracht, andere in Ganztagesschulen. Vier Kinder hatten in unserer ersten Ankunftswoche noch Schulferien, sodass wir diese noch erleben durften und die Zeit mit ihnen gemeinsam verbracht haben. Seitdem diese vier Kids uns am Montag verlassen haben, um wieder ins Internat zu ziehen, welches sie bis Dezember durchgängig besuchen werden, ist es in der Einrichtung deutlich ruhiger geworden, denn die übrigen vier Tagesschulkinder sind seit Montag auch wieder an der Schule und kehren meist erst gegen 17.00 Uhr wieder zurück.
Obwohl wir die Kinder erst seit einer Woche kennen lernen durften, sind sie uns doch sehr ans Herz gewachsen. Die Verabschiedung der Internatskinder war für uns dann emotional doch schwerer, als wir anfangs vermutet hätten. Die Wünsche des Pastors und der Mitarbeiter für die Zeit im Internat waren vor allem gute schulische Leistungen. Die Erwartungen der Erwachsenen und Lehrer an ihre Schüler sind in Uganda sehr ambitioniert und hoch – regt man sich in Deutschland oft über Leistungsdruck und zu hohe Anforderungen an die Schülerschaft auf, existiert hier genau das Gegenteil. Ganz klar ist hier der Gedanke: Wer keine guten schulischen Leistungen erbringt, der ist verloren. Uns beiden ist klar, dass der Weg in eine bessere Zukunft für viele der Kinder ganz klar Bildung ist und bestreiten das auch in keinster Weise. Allerdings bedrückt uns immer wieder das Gefühl, dass den individuellen außerschulischen Fähigkeiten und Talenten, die die Kinder ganz einmalig machen, zu wenig Beachtung geschenkt wird. Im Sinne des hohen Ansporns an die Tagesschüler heißt es nach dem Abendessen ab 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr die Hausaufgaben zu erledigen und Gelerntes zu wiederholen. Wir Freiwilligen stoßen dabei immer wieder selbst an unsere gedanklichen Grenzen, weil wir zum Einen die reinen recht fragwürdigen Reproduktionsaufgaben an die Schüler für uns in Frage stellen oder auch im Fach Religion auf klassisch gelebte Rollenbilder stoßen, die uns an zum Glück in Deutschland meist abgelegte Verhaltensweisen erinnern. Zum Anderen ist die Atmosphäre während der Lernsession sehr streng – ein jeder deutscher Lehrer wäre wahrscheinlich um die absolute Stille in seinem Unterricht für ein paar Minuten dankbar, allerdings kann dies auf die Dauer auch gefühlsmäßig unangenehm werden. Wir versuchen die Atmosphäre durch eigens gewählte Reflexionsaufgaben oder Mathe Wettbewerbe etwas zu entspannen und den Kindern auch Spaß am Lernen zu vermitteln, denn wir Freiwilligen sind uns in diesem Punkt einig, dass es dann auch für alle gewinnbringender ist. Der Wissensstand der Kinder ist sehr heterogen und das Alter der Kinder ist nicht zwingend ein Indikator für die Schulklasse. Da teilweise in den Familien kein Geld da war, gibt es auch Schüler, die mit 13 Jahren noch in der zweiten Klasse sind. Die Kids sind unglaublich aufmerksam und dankbar um jede Hilfe oder Beantwortung von Fragen, die ihnen noch offen geblieben sind in der Schule. Wir haben da manchmal das Gefühl, dass sich die Schüler nicht trauen, um Hilfe bei Fragen zu bitten. Wir können uns das nur so erklären, dass uns die Schüler unabhängig voneinander berichtet haben, dass sie bei mangelnden Leistungen in Examen oder Fehlverhalten geschlagen werden. Zwar nicht auf den Kopf, aber alle anderen Körperteile seien wohl erlaubt. Für uns als Lehrkräfte kaum zu fassen und gedanklich umso schwerer auszuhalten, in welchem schulischen Umfeld die Kids aufwachsen.
Um 21.00 Uhr wird am Ende des Tages noch in der Gruppe gebetet, bevor es dann für die Kinder ins Bett geht. Wir beide haben wirklich großen Respekt, wie viel Energie und Wille die Kinder haben, um solche langen Tage regelmäßig zu bestreiten.
Die Lern- und Hausaufgabensession findet nur einmal wöchentlich am Samstagabend nicht statt. Samstags ist nach dem Abendessen Filmabend. Hier dürfen die Kinder frei entscheiden, welchen Film sie schauen wollen. Einmal haben wir KungFu Panda angeschaut. Während der ersten Ankunftswoche von uns waren wir mit den Kids und den anderen Freiwilligen und Mitarbeitern auch einmal Fußballspielen. Das Feld glich mehr einem Hill Running mit Löchern. Die Kinder hatten so viel Energie, dass sie nach dem Fußballspielen zu Hause im Hof noch weiter gekickt haben, da waren wir dann doch erschöpft und Alex merkt dann doch langsam, dass er eher im Altherrenfußball zu Hause ist… Wirklich beeindruckend – die Fußballstars von morgen! Es war so schön zu sehen, wie viel Freude die Kids im Spiel entwickelt haben, welchen Kampfgeist sie gezeigt haben und uns mit ihren Tricks und Talent überlegen geschlagen haben. Generell kennen die Kids hier auch die großen Fußballligen in Europa. Wir haben aber schon das Gefühl, dass die Premier League in Großbritannien bekannter ist und hierfür auch das Herz der Jungs schlägt.
Sonntags ist in der Einrichtung Gottesdienst. Der Gottesdienst startet nach dem Frühstück und geht hier immer zwischen 2,5 und 3h. Es wird viel a capella gesungen, was wir beide sehr beeindruckend finden. Die Kinder sind alle involviert, sei es durch Gesang, Tanz oder Trommeln oder auch das Abhalten von Fürbitten und Gebeten. Nach circa einer Stunde Gesang folgt eine gut 1h Predigt. Wir müssen beide zugeben, dass das selbst schon für uns eine Herausforderung dargestellt hat, dem Inhalt die ganze Zeit konzentriert zu folgen. Es werden zwar immer wieder recht eindringliche und zentrale Phrasen wiederholt und eingeschliffen, dennoch haben wir bei uns selbst festgestellt, dass wir dem Inhalt nicht immer die volle Aufmerksamkeit geschenkt haben. Mag dies vielleicht auch daran liegen, dass wir manche Ansichten, die in der Predigt vermittelt wurden, aus unserer christlichen Erziehung nicht in dem Sinne unterschreiben können oder zu extrem empfunden haben.
Nach dem Gottesdienst gibt es ein gemeinsames Mittagessen mit dem Pastor, allen Mitarbeitern und auch einzelnen Nachbarkindern. Das ist schon sehr schön und es wird teilweise auch besseres Geschirr ausgepackt. Außerdem gibt es am Sonntag Fleisch, was aufgrund der hohen Kosten für alle hier etwas Besonderes darstellt. Nach dem Mittagessen haben die Kinder immer Bible Studies. Das dauert 1,5 bis 2h. Während der Bible Studies studieren die Kinder Auszüge aus der Bibel, besprechen wichtige Passagen und bekommen diese vom Pastor interpretiert. Für uns Freiwillige besteht auch die Möglichkeit an den Bible Studies für Erwachsene teilzunehmen, was im Anschluss folgt. Dem haben wir bislang aber nicht beigewohnt und sind auch skeptisch, ob wir das jemals werden bzw. wollen.
Obwohl die Kinder ein sehr straffes Programm haben, vieles hier von Hand gemacht werden muss und sie in alle Tätigkeiten eingebunden werden, ist das Ziel sie auf das Leben mit all seinen Facetten in Uganda vorzubereiten. Sie sollen alles, was sie im Alltag brauchen, wissen und kennen lernen. Das ist ein sehr inspirierender, schöner Gedanke und vor allem wichtig. Eigenständigkeit, Selbstorganisation und Selbständigkeit sind wichtige Attribute, die wir alle benötigen. Wenn wir an unsere Kinder in Deutschland denken, welche Schwierigkeiten die nach dem Abitur haben, mit ihrem Studium oder Ausbildung beginnen, dann sprechen wir ihnen die Selbständigkeit ab, die die Kinder hier in Uganda erlernen und haben. Um es in den Worten von Mama Theresa (sie hat mit Janina Möck „We care for them“ aufgebaut) zu sagen: „It depends on, how you raise your children!“
Wir hoffen, dass ihr einen kleinen Einblick erhalten habt, wie die Kids vor Ort ihren Alltag bestreiten. Dadurch, dass jetzt in unserer zweiten Woche alle Kids den Tag über unterwegs sind, hat sich unsere Arbeit vor Ort auch etwas geändert. Darüber mehr im nächsten Abschnitt. 😊
Unser Tagesablauf bei „We care for them“
Nach unserem Frühstück, welches i.d.R. um 8 Uhr beginnt, steht für uns Freiwilligen anschließend Gartenarbeit oder andere zu erledigende Aufgaben an. Das waren schon mal Steine neu verteilen oder Ställe ausmisten, Unkraut jäten, abspülen oder beim Kochen helfen. Wir werden sehr vielseitig eingesetzt und alle Arbeiten sind natürlich freiwillig. Für uns ist das alles sehr lehrreich, gerade was Feldarbeit und Ernte betrifft und lässt uns immer wieder Vergleiche ziehen, wie gut wir es in Deutschland mit unseren Maschinen und Techniken haben, die einige Arbeit wie hier vor Ort in Uganda abnehmen… aber einen auch gleichzeitig vergessen lässt, welch technischen Fortschritt wir genießen und wie faul und bequem wir in Deutschland zum Teil geworden sind.
Gegen 13 Uhr gibt es dann immer Mittagessen. Nachmittags steht dann häufig weitere Hausarbeit oder Hofarbeit an oder Ausflüge in nächstgelegene Städte. Es gibt hier eigentlich immer etwas zu tun, gleichzeitig dürfen wir uns aber auch Pausen nehmen, wenn wir das Verlangen danach haben.
Der Altar oder die selbstgebaute Kanzel musste beispielsweise erneuert bzw. repariert werden, da haben wir auch tatkräftig beim Sägen geholfen. Selbstverständlich funktioniert hier alles per Hand und nur mit den einfachsten Werkzeugen. Man muss also improvisieren. Wenn die Kids dann gegen 17.00 Uhr nach Hause kommen, essen wir gemeinsam zu Abend. Wichtig ist hier immer, dass gemeinsam das Essen mit einem Gebet oder Gesang begonnen wird. Wir fragen oft nach den Erlebnissen in der Schule oder berichten von unserem eigenen Tag, bevor es an die Hausaufgaben Session geht bis 21.00 Uhr. Ehrlich gesagt passiert es nicht selten, dass wir selbst dann irgendwann müde Augen bekommen und recht schnell danach selbst ins Bett wandern nach einem kurzen Plausch und Austausch über den Tag mit den anderen Freiwilligen.
Tiere und Garten der Organisation
Manchmal dürfen wir bei unserer Arbeit vor Ort auch die hofeigenen Tiere füttern, die im Moment oft Nachwuchs haben. Die Schweine haben 5 Ferkel bekommen und eine Ziege 2 Junge, die sehr entzückend sind. Die Zicklein tollen hier über die Wiese, rufen herzzerreißend nach ihrer Mama, wenn diese außer Reichweite ist und lieben es gekuschelt zu werden. Dazwischen laufen die Hühner und gaggern umher, erfreuen sich an den Essensresten, die auf „Kompoststeinen“ landen oder durchstöbern die Küche nach Essbarem, bevor sie auf ihrer Erkundungstour verscheucht werden. Außerdem gibt es hier zwei Katzen, ein Kater „Sunny“ davon ist ein extremer Schmuser und hat einen maximal ausgeprägten Fußfetisch. Bei all unserer Arbeit mit den Tieren begleitet uns Calvin, der für die Viecher und Felder mit zuständig ist und von weiteren Mitarbeitern der Organisation unterstützt wird. Er hat immer ein Lächeln auf den Lippen und ist um keinen Spruch verlegen. Er kümmert sich auch um 2 Kühe sowie viele kleine Küken, die zum Verkauf gezüchtet werden. Unsere Organisation liegt sehr ländlich und stellt ein grünes Paradies mit etwa 20ha dar. Insgesamt ist Uganda sehr grün und aktuell von recht viel Regen gesegnet, da Regenzeit ist, was natürlich gut für die Flora und Fauna sowie die Landwirtschaft ist. Hier wird sehr viel angepflanzt – von Obst wie Bananen, Jackfruits, Orangen, Papaya, Mango oder Wassermelone über Gemüse wie Paprika, Süßkartoffeln, Bohnen, Kochbananen, verschiedenem Wurzelgemüse und zu guter Letzt einem eigenen Fischteich. Was bei uns auf dem Teller landet, kommt meist direkt aus eigener Erzeugung.
Komfort oder Standard
Vornweg gleich als Erstes: das Leben hier entspricht nicht dem deutschen Standard. Aber im Verhältnis zu einem Großteil der Einheimischen Leben wir hier in Uganda tatsächlich sehr luxuriös. Aber beginnen wir vorne. Die beiden Häuser von „We care for them“ sind gemauert, verputzt und gestrichen. Auf ihren Dächern finden sich Solarzellen, die die Wasserpumpe für das Grundwasser sowie den Strom liefern. Wenn mal keine Sonne scheint, dann steht auch weniger oder kein Wasser zur Verfügung. Wir Gäste haben eine richtige Toilette, auch mit Klospülung, so wie wir es aus Deutschland kennen. Das Abwasser wird dann in einen großen unterirdischen Tank geleitet, welcher in unregelmäßigen Abständen geleert wird. Die Kinder und Jugendlichen hier verwenden vorwiegend ein Plumpsklo. Wir haben relativ normale Duschen, wenngleich es nur kaltes Wasser gibt, was nach wie vor, jedes Mal, eine neue Überwindung kostet. Gekocht wird noch mit Holzkohle auf einer Art Herd und darin befindet sich ein Blasebalg, welcher die Kohle befeuert. Es gibt auch einen Backofen, der auf Holzkohle Basis funktioniert, jedoch wird dieser nur sehr selten angemacht, da es sehr aufwendig ist. Wir Freiwilligen wohnen in einem separaten Haus und haben dort auch eine Küche mit einem Gasherd und Gasbackofen. Das ist nochmal ein deutlicher Luxus-Zugewinn. Genutzt haben wir diesen noch nicht, da wir bislang immer mit den Kindern und Mitarbeitern gegessen haben. Selbstverständlich gibt es für das Geschirr auch keinen Geschirrspüler, sondern es wird noch alles per Hand mit kaltem Wasser abgewaschen. Hierfür werden Kernseife und zwei Schüsseln verwendet. Eine zum Waschen des Geschirrs und die Andere, um die Seife abzuwaschen. Das Seifenwasser wird dann einfach in die nächste Hecke gekippt, da es logischerweise keine Kanalisation gibt.
Wäsche waschen funktioniert auch nach dem Prinzip reine Handarbeit. Man nimmt zwei bis drei Schüsseln, füllt diese mit Wasser und Waschpulver und eine Schüssel nur mit Wasser, um später die Seife wieder auszuwaschen. In der ersten Schüssel folgt die Vorwäsche und die grobe Schmutzbeseitigung, in der zweiten Schüssel dann die Feinwäsche und wie schon beschrieben, wird in der der dritten Schüssel mit klarem Wasser die Wäsche ausgewaschen. Wie wäscht man eigentlich von Hand? Ich glaube, die wenigsten haben das von uns schon gemacht… Man nimmt ein Stück der Kleidung jeweils in beide Hände und reibt die aneinander und taucht sie dann wieder ins Seifenwasser und rutscht dann ein Stück weiter beim Kleidungsstück und reibt die wieder aneinander. Das funktioniert erstaunlich gut, aber dauert sehr lange und geht ganz schön in den Rücken. Wir haben uns angewöhnt recht zeitnah, wenn wir Schmutzwäsche haben, diese zu waschen, da wir nicht so große Mengen aufkommen lassen wollen. Die Wäsche trocknet dann an der Wäscheleine. Strom funktioniert sehr gut und ist in beiden Häusern gut installiert und es ist auch wirklich hell.
Die Zimmer sind mit dem Nötigsten ausgestattet. Wir haben den Luxus eines Doppelbettes, wenngleich unser Zimmer sehr klein ist. Wir teilen uns Dusche und Toilette mit Pia, einer Deutschen aus der Fränkischen Schweiz. Im Vorraum zu unserem Zimmer haben wir noch ein Regal, wo wir unsere Kleidung und andere Habseligkeiten hinlegen können.
Das Bett ist nicht unbequem und wir schlafen auch ganz gut. Natürlich haben wir zum Schutz vor Moskitos noch ein Moskitonetz.
Wir haben auch den Luxus von WLAN, allerdings auf Prepaid Basis und es ist teilweise auch sehr langsam und muss regelmäßig nachgekauft werden. Alex hat sich eine eSIM für Uganda im Vorfeld geholt, welche hier leider auch nur mehr schlecht als recht funktioniert, da das Internet sehr langsam ist, aber im Notfall, wenn das WLAN mal wieder ausgefallen ist, funktioniert.
Das Essen und Kochen findet alles im Freien statt, egal ob die Sonne scheint oder es in Strömen regnet. Es ist aber alles überdacht.
Abschließend vielleicht noch einige Zeilen zur Sicherheit. Wir fühlen uns hier am Rand des Dorfes Nakifuma sehr sicher. Alle Bewohner um uns herum sind sehr freundlich und da bei der Organisation regelmäßig Weiße sind, sind sie auch an den Anblick gewöhnt. Die beiden Gebäude sind auch durch eine Mauer und ein stabiles Stahltor geschützt. Nachts haben wir zwei Sicherheitskräfte und wir haben Hunde, die keine Haustiere, sondern auf den Menschen abgerichtet sind. Es sind tatsächlich Deutsche Schäferhunde. Als wir in Mukono waren, müssen wir ehrlich zugeben, dass wir uns schon weniger sicher fühlten. Aber das kann auch daran liegen, dass uns viele erzählten, wie unsicher und gefährlich es bspw. sein soll, ein Handy in der Hand zu halten, da es einfach auch weggerissen werden kann. Teilweise wohl auch aus dem Auto heraus. Auf der einen Seite kann ich mir das vorstellen, da hier viele so arm sind, dass sie nichts zu verlieren haben, aber gleichzeitig wollen wir ja nur das Leben und Wirken der Leute im Land festhalten. Da haben wir natürlich ein schlechteres Gefühl das Handy zu zücken für Fotos. Und dazu kommt, dass halt super viel los ist und alles überlaufen ist. Das macht auch nicht unbedingt ein besseres Gefühl.
Essen
Vieles von dem, was gekocht wird, stammt aus eigenem Anbau. Wir essen viel Kochbanane, die hier Matooke heißt. Die ist nicht sonderlich süß, sondern eher herzhaft und ähnelt in der Konsistenz ein wenig einer Kartoffel. Es gibt auch immer mal süße Bananen, welche Gonjia genannt werden. Es gibt auch regelmäßig Reis und sehr häufig eine Erdnusssauce, die super ölig ist, aber sie schmeckt eigentlich ganz gut. Sehr regelmäßig gibt es noch gekochten Weißkohl mit Zwiebeln. Einmal gab es noch einen Maisbrei mit an einer Bohnen-Gemüse-Sauce. Der Mais ist hier eher weiß und unterscheidet sich von unserem. Die Süßkartoffeln sind im Übrigen hier auch eher weiß-gelblich und nicht so ins orange gehende, wie bei uns. Geschmackliche Unterschiede stellten wir auch fest. Sehr selten gibt es Fleisch oder Fisch. Fleisch gibt es meist am Sonntag, aber bislang hat uns weder das Schwein noch das Rindfleisch sonderlich überzeugt. Zugegeben, es waren nicht unbedingt die besten Stücke des jeweiligen Tieres. Zum Frühstück gibt es manchmal Weißbrot oder Milchbrot, wie man es aus den USA kennt. Ab und an gibt es auch noch herzhaft zum Frühstück, seien es Reste vom Vortag oder mal Spaghetti zum Frühstück. Bananen oder Papaya stehen auch ab und an auf dem Tisch. Aufs Brot, welches hier nicht zum Standard als Frühstück gilt, gibt es fast ausschließlich Butter bzw. Margarine. Wir haben uns deshalb noch ein paar Sachen in Mukono im Supermarkt gekauft, wie Avocado, Mango, Passionsfrüchte oder auch Marmelade, Honig und ein Nutella-Ersatz. Dazu noch Cornflakes und haltbare Milch, falls wir etwas Abwechslung brauchen. Ehrlich gesagt war die Küche bisher nicht sehr abwechslungsreich. Es gibt angeblich auch nur sieben unterschiedliche Gerichte. Wir haben und jetzt aber mal vorgenommen immer zu den Mahlzeiten gemeinsam zu essen. Mal sehen, ob wir das auf Dauer Durchhalten.
Zu trinken gibt es beim Frühstück entweder Ingwer-Tee oder eine Art Porridge ohne Haferflocken. Es gab auch schon Tee mit heißer Milch statt Wasser überbrüht oder auch mal eine vermutliche heiße Schokolade, ohne dass man wirklich was von der Schokolade schmeckte. Neben dem Tee gibt es eigentlich immer nur Wasser, welches hier selbst gefiltert wird, sodass es trinkbar ist. Ab und an gibt es noch Wassermelonensaft mit weiteren Früchten und Gemüsen gemixt als Vitaminbooster.
Das Mittag- und Abendessen ist hier jeweils am Tag das Gleiche und wird meist schon früh morgens in großen Töpfen zubereitet. Die Kochbananen oder Bohnen köcheln dann recht lange Zeit und sind neben Maisbrei oder Reis oder Wurzelgemüse der Hauptbestandteil der Mahlzeit. Die Zubereitung der Speisen funktioniert – bis auf den Mixer für den Vitaminbooster – alles per Hand. Wir verfolgen die Zubereitung mit großem Interesse und legen oft auch mal selbst Hand an. Dabei sind wir immer wieder erstaunt, wie körperlich anstrengend manche Arbeiten hier sind. Die Matooke, also die gekochten herzhaften Bananen, werden zum Beispiel nach dem Kochen mit abgedeckten Bananenblättern mit der Hand zerquetscht. Das ist nicht nur eine recht heiße Angelegenheit, sondern auch körperlich kräftezehrend bei so großen Mengen an Essen. Die Portionen hier in Uganda entsprechen Deutschen XXL Portionen. Wir staunen immer nicht schlecht, wie viel selbst die Kids futtern können. Das Essen ist sehr sättigend und geschmacklich für uns eine ganz neue Erfahrung. Selbst das Obst und Gemüse – beispielsweise Avocado oder Ananas – bereiten uns immer wieder ganz neue Geschmacksexplosionen im Gaumen, da hier alles einfach viel intensiver schmeckt. Zugleich wird das Essen kaum bis gar nicht zusätzlich gewürzt. Salz wird sehr selten verwendet und den Kids meist vorenthalten. Allerdings sind wir froh, dass das Essen nicht zu scharf ist. Aus afrikanischen Restaurants in Deutschland sind wir häufig recht scharfe Speisen gewohnt, die nicht immer ganz unseren Geschmäckern entsprochen haben.
Mama Ruth, die Küchenchefin, hat sich mittlerweile schon mit einem Lächeln abgefunden, wenn wir nur verhältnismäßig „kleine“ Portionen nehmen. Wir hoffen, dass Sie uns das nicht Übel nimmt und werten ihr Lächeln als positiv 😊
Auch wenn das Essen insgesamt recht einfach ist und sich wiederholt, stellt es hier in dem Tagesablauf einen wichtigen Bestandteil dar und eine gesellige Runde, gerade wenn die Kids am Abend mit dabei sind. Wir sind aber schon gespannt, welche Gerichte wir noch bei Ausflügen in die Städte kennen lernen werden, von denen wir euch berichten können.
Religion
Dreimal die Woche, immer Mittwoch, Donnerstag und Freitag, findet eine sogenannte Compassion statt. Wir haben dies hier liebevoll als „Wanderbekehrung“ getauft und ihr könnt euch das ungefähr so vorstellen. Originär bedeutet das Wort eher so viel wie „Mitgefühl zeigen“ oder „Barmherzigkeit“. Um 10 Uhr pilgern wir Freiwilligen gemeinsam mit dem Pastor Paul und Mama Theresa und verschiedenen Essensspenden im Gepäck in die ärmeren Viertel der Umgebung, um wie nach eigenen Angaben des Pastors die noch nicht Gläubigen Bewohner mit dem christlichen Glauben vertraut zu machen bzw. zu bekehren. Das ganze wirkt auf uns schon sehr missionarisch und hat bleibende Eindrücke bei uns hinterlassen.
Uganda ist ein im Verhältnis zu Deutschland sehr armes Land. Was Armut dort aber wirklich bedeutet und wie die Menschen dann vor Ort leben, erfährt man wirklich erst im direkten Kontakt mit ihnen. So sind wir insgesamt 4 Stunden lang zu den ärmeren Bevölkerungsteilen vor Ort gegangen, in die Familien, auf die Felder, wurden meist mit einem Lächeln empfangen und haben deren Geschichten, Sorgen und Problemen unser Ohr geschenkt. Gleichzeitig schauten uns aber auch immer die Kinder hinterher bzw. es bildeten sich auf der anderen Seite des Weges regelrecht Ansammlungen oder sie schauten hinter irgendwelchen Mauern hervor und man hörte das Wort „Musungi“, was so viel wie „Weiße“ bedeutet. Teilweise fühlen wir uns schon „angegafft“, da wir hier etwas Besonderes zu sein scheinen. Pastor Paul und Mama Theresa sprechen viel mit den Leuten und Mama Theresa übersetzte meist für uns einzelne Teile ins Englische, da die Leute nur die Landessprache kennen. Die Lebens- und Wohnverhältnisse sind für unser Verständnis von Lebensstandard sehr erschreckend – zum Teil wohnen die Menschen noch in Lehmhütten, ohne fließend Wasser oder Strom – in einem einzigen Raum für mehrere Menschen und kochen auf offenem Feuer. Die Tiere sind oft angebunden, stehen in ihren eigenen Fäkalien und sehen zum Teil auch sehr krank aus. Neben all der für uns erschreckenden Eindrücke müssen wir aber eines klarstellen – trotz der für uns extremen Situation und bedrückenden Bilder sind die Menschen uns gegenüber extrem herzlich und einladend. Sie zeigen keine Form von Neid oder Missgunst – im Gegenteil, sie empfangen uns immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Pastor Paul hat neben der Bibel noch immer ein Buch dabei, in das er die Adresse (sagen wir näherungsweise, wo die Menschen wohnen, da es keine Straßennamen und Hausnummern gibt), die Anzahl der Bewohner pro Haus sowie deren Probleme und Herausforderungen aufschreibt. Wir waren bei einer Familie, der das Lehmhaus in dem sie gerade wohnen, gar nicht gehört, sondern sie nur für jemand anderen darauf aufpasst. Die Dame erzählte uns, dass sie danach nicht weiß, wo sie mit ihren Kindern dann hin soll. Eine andere Dame wohnt in dem Haus ihres Sohnes, da er in Kampala in einem Friseursalon arbeitet. Sie selbst hat auch keine Bleibe und hofft, dass sie dort wohnen bleiben kann. Wir wurden dann von ihr noch in ihr Haus eingeladen und kamen ins Gespräch. Sie berichtete, dass sie Expertin im Anbau von Pilzen ist, ihr aber das Geld fehlt, um das „Business“ zu starten. Auf dem Rückweg fragte ich Mama Theresa, ob sie eine Vorstellung hat, was das ungefähr kosten würde und sie meinte irgendwas zwischen 100$ und 200$. Das beschäftigt Alex noch nachhaltig diese Begegnung und er bat Mama Theresa zu fragen, wie viel Geld das tatsächlich kosten würde.
Wir konnten auch bereits einem Gottesdienst der Gemeinde von Pastor Paul beiwohnen, bei dem sogar unsere Mitbewohnerin Juli die Predigt gehalten hat. Uns zeigte sich ein ähnliches Bild wie bei der Compassion. Wir „Weißen“ wurden angestarrt und genau inspiziert. Der Gottesdienst fand aber nicht in einer Kirche, sondern unter freiem Himmel statt und da gerade Regenzeit ist, hat es währenddessen auch zweimal geregnet. Die neue Kirche ist noch nicht fertig, sodass aktuell alles etwas improvisiert stattfindet. Es werden Plastikstühle und planen gebracht, sodass die kommenden Menschen sitzen können. Juli hielt die Predigt auf Englisch und Roy von „We care for them“ übersetzte auf L´Uganda. Im Anschluss an den Gottesdienst wurden Reistüten verteilt, um die Bedürftigen zu unterstützen.
Spendenmöglichkeit
Wir möchten mit diesem Blog offiziell keine Werbung für „We care for them“ machen, jedoch ist es uns ein Anliegen, Euch die Möglichkeit zu geben an die Organisation zu spenden. Denn neben der Betreuung und Möglichkeit der Kinder Zugang zu Bildung, Essen und einem geregelten Leben zu erhalten, unterstützt „We care for them“ noch mehr Menschen, plant auch gerade den Bau einer Schule sowie unterstützt generell die Menschen in der Umgebung mit Essen, zahlen teilweise das Schulgeld von Kindern und leistet medizinische Unterstützung. Ihr könnt Euch gerne mal auf der Website umschauen
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